portugals „route 66“

„wer braucht schon küste?“ lautet der titel eines reiseberichts aus der zeit*, den ich ilka ende juni 2018 vorgelesen habe, als wir in thomsdorf gerade mit unserer haushaltsauflösung begannen.

„Die Nationalstraße N2 ist die längste Straße Portugals. Wer ihre Kurven und Abgründe nicht scheut, gerät ins Innerste des Landes. Ein Roadtrip zu angeschlagenen Heiligen, dem Duft von Mutterliebe und Männern mit Rotweinlächeln“ hieß es da (*https://www.zeit.de/2018/27/portugal-nationalstrasse-n2-roadtrip-reisen-urlaub-kueste-meer) und wir waren angefixt: sofern uns unser weg nach portugal führen sollte, beschlossen wir, die n2 zu fahren.
gesagt, getan! hier unser ganz persönlicher bericht:

wir kreuzten die spanisch-portugiesische grenze und trieben uns noch ein paar tage im nordosten portugals in der region mit dem malerischen namen „tras-os-montes“ – „hinter den bergen“ herum, bevor wir uns auf die spur der begaben.

fortan sollte es uns über 738 km hinweg recht schnurgerade immer gen süden führen – sonnenbrillen ausgepackt! (spoiler: sie blieben bis zum letzten drittel weitgehend ungenutzt…) im oben genannten beitrag wird die n2 mit einer wirbelsäule verglichen: das rückrat portugals, das das land der länge nach in zwei hälften teilt. ungleiche hälften, denn 80% der portugies*innen leben an den küsten, während das bergige hinterland im osten stark von landflucht betroffen ist.

am 14. dezember starteten wir auf der n2 hinter chaves und 9 tage später, am 23ten passierten wir den letzten kilometerstein mitten in faro. unsere tour teilte sich in 7 zufällige etappen, die sich in hinblick auf länge, wetter, landschaft, verfassung des vierrädrigen und des vierbeinigen mitreisenden, stimmung der zweibeiner etc. sehr unterschieden.

1. etappe von chaves nach vila real:
kilometer 0 bis 62. 62 km am 14. dezember

unsere tour beginnt in chaves in euphorischer stimmung, denn wir haben dort nach sehr langer suche endlich eine lpg-tankstelle mit passendem adapter gefunden, um unseren unterflur-gastank auffüllen zu können (mehr zu herausforderungen, tücken & freuden des alltags im campervan findest du unter: bullileben). schon seit nordspanien suchten wir immer wieder erfolglos nach einer solchen möglichkeit und sind nun froh und erleichtert, uns um heizen, kochen, kühlen während der fahrt auf der n2 keine sorgen mehr machen zu müssen. die strecke beginnt schön bergig, sollte jedoch abrupt enden…

… der bulli streikt. wie schon zweimal zuvor in den letzten zehn tagen stockt er kurz, als ob er kein gas mehr annimmt und geht diesmal sogar ganz aus, springt aber nach einer kleinen pause wieder an. die euphorie ist dahin und ziemlich angespannt fahren wir durch wunderschöne landschaft in die nächstgelegene ortschaft, wo wir erstmal eine pause machen mit hunderunde. dabei springt zino (natürlich nicht angeleint) neugierig auf eine mauer, hat zuviel schwung und stürzt auf der anderen seite herunter – mehr als 2 meter tief, zum glück ist dort eine bewachsene brache mit grasboden und kein beton. alles rufen nutzt nichts, der hund bleibt verdattert und mit angezogener pfote sitzen. schock zwei an diesem ersten tag der n2.
ilka bahnt sich über eine absperrung einen weg in das dickicht, wo zino sie froh aber regungslos erwartet. er muß aus den brombeeren befreit werden und nach einigen bangen minuten ist klar: bis auf den schrecken ist er wohlauf!

ein telefonat mit unserem automechaniker in deutschland bringt zunächst keine klarheit: aus zeitmangel muss er uns auf den nächsten vormittag vertrösten. so wagen wir eine weitere kurze etappe bis zur nächstgrößeren stadt mit autowerkstatt: vila real. am dortigen „camping municipal“ angekommen, treffen wir auf einen freundlichen städtischen angestellten, der gerade im begriff ist ein schild aufzuhängen mit der info: „ab 15.12.2018 geschlossen“… was ist das für ein tag???

in der hereinbrechenden dunkelheit klappern wir weitere mögliche stellplätze ab, gewinnen dabei einen recht umfassenden eindruck der interessanten stadt und landen schließlich im sehr ruhigen und heimeligen hinterhof einer zentral gelegenen kirche, neben dem friedhof. blick aus dem dachfenster am abend und am morgen danach.

das telefonat mit dem mechaniker am nächsten morgen ist beruhigend: verdacht auf verunreinigtes benzin, weiterfahrt möglich, benzinfilter beizeiten wechseln (die vorgeschichte zu unserem heilbringenden bullischrauber ist hier zu lesen: boxenstopp in freiburg). da dauerregen droht, machen wir uns auf den weg zu einem baumarkt mit überdachten parkplätzen. leider passt der bulli mit dem hochdach nicht drunter, benzinfilter gibt’s nicht, auch nicht anderswo, es wird wegen der regenwolken besonders früh dunkel und wir beschlissen, erstmal eine weitere nacht auf ‚unserem‘ kirchhof mit ausblick zu verbringen.

als wir dort ankommen, ist der parkplatz knackevoll: gottesdienst am vorabend des dritten advent. ein einziger freier platz – für uns! großer bahnhof mit viel kommen & gehen, es scheint als ob sich die menschen familienweise jeweils nur für kurze zeit in der kirche aufhalten, herauskommen, mit anderen plaudern und mit dem auto wieder abfahren, während schon die nächsten fahrzeuge mit kichgänger*innen auf den hof drängen. interessant zu beobachten. nachdem der parkplatz sich am abend geleert hat, ist er wieder das unerwartet ruhige idyll mitten in der stadt, als das wir ihn gestern kennengelernt haben. noch dazu mit ausblick über das beleuchtete vila real, den wir bei einem abendpicknick im cockpit geniessen.

unsere erste etappe auf der n2 ist also geprägt von einigen unerwarteten ablenkungen und wir haben nicht sehr viel sinn für route und landschaft.

2. etappe vila real nach castro daire:
kilometer 62 bis 131. 69 km am 16. dezember

ganz anders verläuft der nächste abschnitt: das wetter wird besser, die fahrt führt durch nicht enden wollende weinberge rings um das douro-tal, an deren kunstvoll geformten terassen wir uns nicht sattsehen können.

wir suchen und finden einen rastplatz inmitten der kunstwerke, sammeln orangen von der strasse, die von den bäumen gefallen und dort teils offenbar schon lange vergessen worden sind. schön sauer, und wir saugen sonne und ausblick dazu auf.

in der ferne geht regen nieder, gleichzeitig sonnenschein – bezaubernd anzuschauen.

wir fahren weiter. die n2 ist hier gesäumt von kniehohen alten steinmauern, schlängelt sich die (wein-)berge entlang, hinauf und wieder hinunter. schließlich quert sie den fluss douro, der bei porto ins meer mündet und namensgeber ist für das tal und die weinsorte. guter wein übrigens!

ein schmaler, wilder nebenarm des douro begleitet eine weile unseren weiteren weg und wir bekommen lust, an seiner seite zu übernachten, finden aber kein geeignetes plätzchen. bei der weiteren schlafplatzsuche treffen wir auf einen regenbogen.

wir wagen uns abseits der n2 auf stellplatzsuche und geraten aus versehen in ein kleines dörfchen in hanglage mit sehr steilen strässchen, erleben die erste steigung, die der bulli nicht meistern kann und stecken inmitten der engen gassen fest. ein hilfsbereiter anwohner klettert die treppe seines hauses zu uns herunter und spricht uns auf schwizzerdütsch an – er hat mehrere jahre in der schweiz gearbeitet und kennt auch deutschland ein wenig. nach einem netten plausch bringt er uns auf den rechten weg zurück. eng ist’s:

nachdem wir auch an kleinen nebenstrassen keinen ruhigen stellplatz finden, beschliessen wir, die n2 in der dämmerung und im dunklen einfach weiter zu fahren bis ein passender übernachtungsplatz auftauchen wird. die weihnachtsbeleuchtung entlang der strasse wird entzündet.

wer genau hinschaut, erkennt auf diesen fotos am linken unteren strassenrand jeweils einen hund. die beiden können wir gerade noch ablichten, aber es sind beiweitem nicht die einzigen freilaufenden hunde an und auf der n2. die haben glück, dass die route wenig befahren ist bzw. steigung und kurven das tempo der fahrzeuge drosseln. wir bremsen nicht zum ersten mal, um beachtlich angstfreie, streunende hunde passieren zu lassen. soviele strassenköter in portugal? die meisten wirken gut ernährt und gepflegt, viele tragen ein halsband. ich recherchiere und finde heraus, dass viele hunde in portugal tagsüber draußen leben und ihrer wege gehen dürfen, um am abend ins haus ihrer hundehalter*innen zurück zu kehren. durch diese lebensweise und den kontakt im rudel seien viele portugiesische hunde sehr gut sozialisiert und friedlich. ganz anders in spanien, wo noch zu viele hunde als wachhunde an ketten leben müssen, kaum auslauf, ansprache und pflege erhalten und entsprechend aggressiv teils ohne unterlass bellen. im unterschied zu vielen anderen hunden, denen wir begegnen, durften die beiden auf den bildern offensichtlich ihre schwänze behalten, ansonsten ist das kappen der rute sowohl in spanien als auch in portugal leider noch sehr verbreitet. aber nun weiter auf der n2:

das wechselhafte wetter beschert uns zusammen mit dem sonnenuntergang beindruckende licht- und schattenspiele am himmel und bevor es gänzlich dunkel wird, finden wir einen wenig beleuchteten, leeren parkplatz oberhalb eines sportkomplexes im villengebiet von castro daire. wieder ein stellplatz mit aussicht. (all unsere stellplätze dokumentieren wir übrigens per foto unter stellplatz of the day…).

im morgennebel füllt sich der parkplatz schnell bis auf den letzten platz, denn der sportkomplex gehört offenbar zu einer schule. nach einer gemütlichen morgenroutine machen wir uns langsam auf den weg zurück zu unserer n2.

3. etappe von castro daire nach goís.
kilometer 131 bis 287. 156 km am 17. dezember

und weiter gen süden. ein sonnig-heller tag. eher ebenes, saftig grünes gelände.

ein rastplatz im grünen, ein glücklicher draußen-hund.

brotzeit im bulli.

die n2 verläuft an flüssen entlang durch wunderbar grüne täler:

und sie führt uns an gerupften, struppigen hügeln mit wäldern vorbei: waldbrandschäden. wie in jedem jahr hat es sowohl in 2018, vor allem aber in 2017 besonders verheerende waldbrände im süden portugals gegeben. vermutlich auch verursacht bzw. vereinfacht durch die verbreitete eukalyptus-monokultur…

die hügel werden wieder grün, die strecke fährt sich wunderbar und plötzlich sind wir schon in goís, einer entzückenden kleinen stadt in den bergen. der camping municipal ist für dieses jahr bereits geschlossen – zu unserem glück, denn nur eine serpentine weiter oben entdecken wir beim umkehren zufällig ein traumhaftes plätzchen mit ausblick auf goís und seinen kirchturm im blauleuchtenden weihnachtskleid.

die nacht dort ist etwas windig, aber sehr ruhig – an lauen sommerabenden ist der tolle aussichtsplatz mit den gemauerten sitzplätzen sicher bevölkert von tourist*innen und einheimischen jugendlichen, das bietet sich an. wir nehmen uns vor, bei wärmeren temperaturen nochmal hier vorbei zu schauen – nicht das erste vorhaben dieser art. eigentlich müßten wir die n2 im frühling wieder hinauf fahren…
morgens gibt’s leckere portugiesische croissants von einer netten kleinen bäckerei unten im dorf. ein kleiner fußweg mit treppen schlängelt sich hinunter, bestens geeignet für eine hunderunde mit bäckergang. zum glück habe ich zino ausnahmsweise an der leine, denn seine neugier führt ihn wie vor ein paar tagen wieder auf ein mäuerchen hoch. dieses gehört zur romanischen brücke, die wir queren und von dort geht es vielleicht 4 meter runter in den fluss – links unten in der bildmitte zu erkennen. wir lernen: leine kann leben retten! nach dem portugiesischen frühstück nehmen wir 2 enge kurven abwärts und fädeln uns wieder auf die n2 ein.

4. etappe von goís zum stausee bei mora:
kilometer 287 bis 474. 187 km am 18. dezember

mehr als einmal treffen wir auf solche sammlungen am strassenrand – kleine schätzchen für oldtimer-liebhaber*innen wie wir es sind!

im portugiesischen inland finden sich viele kleine und große stauseen, deren arme malerisch teilweise weit in die umliegenden schluchten hineinragen. jenseits der staumauer verbreiten diese eine eigenartige atmosphäre zwischen industriecharme und endzeitstimmung. im folgenden abschnitt der n2 kommen wir an einigen davon vorbei, wie hier bei kilometer 327, wo die strasse direkt auf der staumauer verläuft.

orangen- und khaki-bäume begleiten uns schon seit den pyrenäen, inzwischen haben letztere ihr laub verloren, wodurch die früchte besonders zur geltung kommen.

für unseren heutigen abschnitt ist kräftiger dauerregen angesagt und die vorhersage behält recht. die undichten stellen im bulli lassen weniger wasser durch, wenn wir fahren als im stillstand, also treten wir auf’s gas und jagen die scheibenwischer.

am ende des tages sind wir auf der höhe von lisabon angekommen und haben schon mehr als die hälfte der vielseitigen n2 hinter uns gelassen.

unser domizil des tages liegt – wie sollte es in dieser gegend anders sein – an einem stausee: albufeira-do-gameiro. zunächst fahren wir wieder über die staumauer.

insgesamt gibt es auf diesem abschnitt der n2 wenig stellplatzauswahl. auch bei park4night merkt man, dass die gegend weit weniger bereist wird als die küsten.

am morgen zeigt der blick aus dem dachfenster: der regen hat nachgelassen!

die sonne vertreibt den morgennebel, wärmt auf und ilka zieht das draußennass dem bulliwaschbecken vor. genau dann tauchen spaziergänger mit hund auf – und wir machen uns nach unterbrochener morgentoilette auf den weg.

5. etappe von mora zum stausee hinter odivelas:
kilometer 474 bis 583. 109 km am 19. dezember

heute geht’s von stausee zu stausee! auf der suche nach portugiesischen croissants fahren wir durch mora und stellen fest: die hiesige bauweise ist zunehmend maurisch geprägt – wir kommen dem süden portugals unverkennbar näher. der heutige abschnitt besticht durch eine weite, grüne landschaft, genutzt für große abgezäunte areale mit korkeichen-kulturen und mit strassen wie in der uckermark: baumgesäumt, endlos lang und ziemlich holprig…

korkeichen über saftigem grün mit knallgelben blümchen, die uns bis zur küste an der algarve begleiten sollten – sehr frühlingshaft!

kurze rast unter einer dicken alten korkeiche, der stamm recht frisch geschält.

zur siesta erreichen wir montemor-de-novo, parken direkt vor den alten gemäuern des castello mit blick über und steilen treppen hinunter in die altstadt.

wir schlendern durch die gemäuer des castello mit ganz unterschiedlich alten bauabschnitten.

das gelände ist riesig, nirgendwo eine absperrung oder absicherung, überall dürfen besucher*innen herum klettern und umher streifen – in deutschland undenkbar.

hat großen spaß gemacht, dort zu fotografieren, hier noch ein paar details:

nach einem kurzen einkaufsabstieg in die altstadt und anschließendem aufstieg geht es weiter durch korkeichen-plantagen. links und rechts der n2 riesige anwesen, die zäune und mauern nur unterbrochen von aufwendig verzierten, prunkvollen toreinfahrten mit auffahrten von mehreren hundert metern dahinter bis zum wohngebäude. dazwischen große weiden mit rindern, freilaufenden schweinen, die sich an den vielen eicheln laben und – störchen. immer wieder sehen wir nester auf hohen masten oder ganze storch-kolonien im gras unter den eichen – die überwintern hier, wie wir!

es dämmert, wir fahren durch kleine ortschaften auf der suche nach einem parkplatz für die nacht.

zunächst erfolglos, ist aber nicht schlimm, denn der bombastische sonnenuntergang versüßt uns die weiterfahrt.

schließlich kommen wir im dunkeln an dem per park4night herausgesuchten, weit abgelegenen stellplatz am stausee an – abgesperrt! die suche nun in der dunkelheit auf gut glück fortzusetzen scheint uns nicht sonderlich aussichtsreich… laut karte befindet sich direkt dahinter ein campingplatz – ganzjährig geöffnet – glück gehabt! eine nette niederländerin empfängt uns an der rezeption – noch eine überwinternde. und wieder ein stellplatz, an dem wir erst am nächsten morgen herausfinden werden, wo genau wir die nacht verbracht haben…

wir erwachen mit sonnenaufgang über’m see und mögen sehr, was wir sehen.

einen wunderbar naturbelassenen campingplatz mit sehr wenigen, weitläufig verteilten campern („mindestens 10 meter abstand“ war gestern abend an der rezeption die einzige vorgabe zur platzsuche).

eine wohltuende stille und es ist herrlich mild, wir können die stühle rausstellen und in der sonne sitzen. das hatten wir lange nicht – mehr davon!

wir beschließen, eine weitere nacht anzuhängen, um uns ausgiebig frisch zu machen für den weiteren verlauf unserer n2-tour: klamotten-waschen, duschen, ausruhen, per-stromanschluss-alle-akkus-laden, wassertanken, frisur-auffrischen und all sowas.

6. etappe von odivelas nach ameixial
kilometer 583 bis 688. 105 km am 20. dezember

zur feier der wintersonnenwende verweilen wir noch eine dritte sehr stille nacht auf dem camping markádia am stausee bei odivelas.

da es dort keine deadline zum auschecken gibt, lassen wir uns den ganzen vormittag zeit, um unsere in 3 tagen verstreuten und ausgebreiteten siebensachen wieder einzusammeln. nachdem alles verstaut ist und wir unsere wasservorräte aufgefüllt haben, brechen wir auf und lassen den ruhe ausstrahlenden stausee hinter uns. nun noch ein paar lebensmittel einkaufen, was wir in castro verde und almodovar erledigen, durch die uns die n2 führt. dabei entdecken wir diesen vw t2 in besonders netter ausführung und scheinbar von der farbgebung her abgestimmt auf das haus, vor dem er steht.

zurück auf der n2 kündigt bald darauf ein schild am strassenrand den übergang vom alentejo zur algarve an. wir haben die südlichste region portugals erreicht und es gibt wieder pinien!

zu stapeln aufgetürmte korkeichenrinden geben ein malerisches bild ab, finden wir.

kurz darauf beginnt schon die dämmerung und es ist wieder zeit, nach einem schlafplatz ausschau zu halten (mehr dazu unter zur stellplatzsuche oder „eichen sollst du weichen“). schon von weitem erblicken wir ein gebäude auf einer anhöhe, das in der abendsonne leuchtet. vielleicht eine kirche? diese haben uns schon des öfteren einen angenehmen schlafplatz beschert.

oben angekommen bewundern wir atmosphäre und aussicht, die ‚kirche‘ entpuppt sich jedoch als privathaus, dem wir lieber nicht so nah auf die pelle rücken möchten.

am rande der ortschaft soll es gleich zwei wohnmobilplätze geben; widerstrebend machen wir uns auf den weg zu dem ersten – und direkt wieder kehrt: ungemütlich, kahl, auf betonierter fläche und darauf aufgereiht ein riesiges wohnungetüm nach dem anderen – echt nicht unser ding!
den zweiten platz mögen wir nun erst gar nicht mehr anschauen, sondern fahren aus dem dorf heraus, denn dahinter zeigte das navi einen kleinen fluß an – vielleicht bietet sich dort ein nettes plätzchen? die strasse führt eng und verschlungen durch ein wunderschönes wäldchen, ohne allradantrieb trauen wir uns allerdings nicht die kleinen sandpisten hinauf, die von der strasse wegführen.


inzwischen wird es dunkel – also gut: zurück ins dorf zum zweiten womoplatz.
bei park4night als umfunktionierter fußballplatz beschrieben, übt dieser keine so große anziehungskraft auf uns aus. aber siehe da: welche überraschung! in einer ausbuchtung am ende des riesigen und gut gefüllten platzes befindet sich eine weniger bevölkerte nische im grünen. der bulli unter eine pinie geduckt, dem grellen flutlicht vom derzeit noch bespielten neuen sportplatz in direkter nachbarschaft abgewandt.

zwei nachbarinnen heißen uns direkt herzlich willkommen, sogar strom bietet der kostenfreie kommunale platz – brauchen wir allerdings nicht. wasserver- und -entsorgung gibt es ebenfalls for free. unglaublich großzügig von der gemeinde!

wir verbringen einen wunderbar lauen abend und eine ruhige nacht und erwachen am morgen mit aussicht und sonnenaufgang – so lieben wir das!

im laufe des vormittags klettert die temperatur auf t-shirt-niveau und es ist sogar ein bißchen yoga drin.

beim spätstück im freien wird uns bewusst: das war unsere letzte nacht an der n2! etwas wehmütig überlegen wir, noch eine weitere nacht auf dem platz mit der netten campercommunity zu bleiben, aber die neugier auf die südküste siegt.
treibt uns doch bereits seit beginn unserer reisevorbereitungen im letzten sommer die frage um, ob die algarve wohl ein passender überwinterungsplatz für uns sein könnte. ich war vor 25 jahren das letzte mal in portugal, ilka bislang noch gar nicht und über die algarve im camper hatten wir teils haarsträubendes gehört und gelesen: von wohnmobilburgen in sicherheitstrakten und einer vanflut, der die polizei mit immer strikteren einschränkungen und verboten begegnen sollte.
ob das was für uns war??? oder ob wir am ende unserer mehrere tausend kilometer und wochen dauernden anfahrt enttäuscht wären und gegebenenfalls mit unserem untermotorisierten gefährt wieder kehrt machen müßten in richtung anderer europäischer orte mit überwinterungstauglichen temperaturen??? grausige vorstellung!
das geheimnis dieser bangen frage, sollte sich nun endlich lüften. und so drängt es uns weiter zu fahren, um uns selbst ein bild der küste an der algarve machen zu können.

zunächst geht es nur im schritttempo voran, denn auf der dorfstrasse findet der wochenmarkt in kombination mit einem netten kleinen weihnachtsmarkt statt. der hiesige markttag wurde extra von einem werktag auf den heutigen sonntag verlegt – morgen ist der 24. dezember…

7. und letzte etappe von ameixial nach faro:
kilometer 688 bis 738. 50 km am 23. dezember

der letzte abschnitt der n2 führt uns durch zunehmend rötlich getöntes land, kleinere nebenstrassen sind oft rote sandpisten und die erde trägt ein sattes rotbraunorange wie die felsenküste im süden.

die n2 mäandert weiter durch die serra, eine gebirgskette, die die südliche algarve vor dem kühleren wind aus dem norden schützt und mit für das frühlingshafte klima dort im winter verantwortlich ist.

wir kommen an einem der vielen picknick- und aussichtsplätze vorbei, die die route bereit hält, und machen pause.

auf dieser etappe treffen wir tatsächlich auch mal ein, zwei motorräder – die n2 gilt auch als beliebte motorradstrecke. ilka als ehemalige motorradfahrerin kann das sehr gut nachvollziehen und wäre fast umgestiegen 😉

im weiteren verlauf waren mehrere kleine seen ausgeschildert, die hier oben in der serra in den brütend heißen sommermonaten sicher sehr beliebt sind. wir markierten uns die stellen auf der landkarte – vielleicht eine option für den frühling? unsere liste mit sehenswerten spots für wärmere temperaturen ist im verlauf der n2 beachtlich angewachsen… dort notieren wir auch die quelle mit kleinem café, die wir kurz besichtigen – ungechlortes trinkwasser! im süden portugals nicht an jeder ecke zu haben, wie im norden.

ab kilometer 707 bleiben uns noch 31 kilometer auf der n2, die sich langsam zur küste hinab schlängelt. der letzte kilometerstein der route steht auf einer befahrenen kreuzung mitten in faro…

…und ist mit aufklebern übersäht, durch die sich n2-fahrer*innen, vorwiegend motorradclubs, verewigt haben. hier endet auch unser roadtrip entlang portugals „route 66“ – ich tätschele dem stein das haupt und wir nehmen abschied von der n2.

5 Kommentare zu „portugals „route 66“

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