Februar auf Tour (an der Westalgarve)

Nicht nur in Deutschland war der Februar ungewöhnlich warm, selbst hier im Süden Portugals war es für die Jahreszeit sehr mild und vor allem regenarm. Nachdem wir den kompletten Januar nicht ganz freiwillig mit Wellness für Fahrzeug, Mensch und Tier im Osten der Algarve verbracht haben (Januar auf Kur (an der Ostalgarve)), sind wir Anfang Februar frisch und auskuriert aufgebrochen, um die westliche Algarve zu erkunden. Das traumhafte Wetter und die länger werdenden Tage kamen uns gerade recht und allerorten trafen wir auf duftende, blühende, summende Frühlingsboten.

Diesen Platz zwischen Ginsterbüschen und Sanddünen kennen wir schon, denn wir waren im Januar zum Übernachten hier, um uns in Armaçao de Pera Hilfe bei unserem Gastankproblem zu holen. Diesmal können wir die Natur in vollen Zügen genießen – eine Sinnenwonne inmitten dieser duftenden, vor Bienen summenden Ginsterbüsche einzuschlafen und aufzuwachen! Und ein weiter Strand für Abendspaziergänge.

Zuvor hatten wir uns an einem bei Campern sehr beliebten Strand vor Quarteira mit Daniela und Alexander verabredet, um das Interview mit ihnen fertigzustellen (portrait 3: daniela & alexander) und uns bei traumhafter Kulisse über Tücken und Genüsse unseres Camperdaseins auszutauschen.

Wir werden mutiger und erkunden mit dem Bulli den ersten Off-road-Stellplatz unserer Reise. Die Küste geht hier langsam von der Sandalgarve in die Felsalgarve über und besteht aus schroffen Klippen mit eigentümlichen, großen Löchern, in denen man das Meer rauschen hört und – sofern man sich an den Rand traut – auch sieht. Zwischen den Felsen gibt es kleine Buchten mit Sandstrand und hohen Wellen. Die Wärme erlaubt uns ein Bad.

Nach unserem Querfeldein-Abenteuer ist das nächste Ziel ein kleines Fischerstädtchen gleich gegenüber der anderen Flussseite von Portimao: Ferragudo. Dort gibt es einen Platz mit vielen anderen Womos und wir stehen in erster Reihe am Wasser. Schön ist es hier und wir verbringen zwei Tage mit Einkaufen in Portimao und Bummel durch Ferragudo. Wir finden endlich einen Unverpacktladen, dem wir mit den Fahrrädern einen Besuch abstatten. Um von unserem Stellplatz in Ferragudo auf die andere Flussseite nach Portimao zu gelangen, fahren wir an unzähligen Storchennestern vorbei (die nisten überall an der Algarve) und überqueren eine große Autobrücke. Für Verkehrsteilnehmer*innen mit Rad und zu Fuß bleibt ein schmaler, an die Autobrücke angebauter Streifen aus Stahl, wo sich zwei Fahrräder aneinander vorbei quetschen müssen und es sich zu unserer beider Freude (Achtung: Ironie!) rechts und links der Bodenplatten wunderbar in die Tiefe schauen lässt. Ich trage den Hund und schiebe das Fahrrad lieber, weil ich sonst die ganze Zeit das Gefühl hätte, Zino oder ich stürzen hinunter. Ein bißchen gestresst kommen wir heil am anderen Ende an und machen eine Kaffepause beim Bioladen. An den Rückweg mag ich gar nicht denken!
Der Spaziergang am nächsten Tag durch Ferragudo ist dagegen eine Wohltat mit beeindruckenden Aussichten und leckerem Kaffee.

Wir besuchen Lagos für eine Nacht und fahren gleich am nächsten Tag weiter. Die Stadtbesichtigung muss auf uns warten, denn wir beide kriegen uns über irgendwas derart in die Haare, dass uns die Lust darauf vergeht. Wir fahren weiter auf einen ruhigen Off-road-Platz und werden belohnt. Dieser Ort auf den Klippen wird zu einem unserer Lieblingsstellplätze, an den wir noch öfter zurückkehren werden. Aber erstmal fühlen wir uns beschützt zwischen zwei Feigenbäumen und machen seit Langem mal wieder ein Lagerfeuer. Und Beziehungspflege ist angesagt.

Danach zieht es uns weiter gen Westen nach Espiche. Dieser Ort ist für uns wichtig, da es dort eine deutsche Tierärztin gibt. Zino braucht seine Halbjahreskur und wir sind mit einigen Fragen angereist. Nach gut einer Stunde Wartezeit (davon waren wir eine 3/4 Stunde zu früh) standen wir mit Zino vor der Ärztin, die uns all unsere Fragen beantwortete. Der Hund wird alt, ist aber für seine 13 Jahre gut beieinander! Wir sind erleichtert, denn das eine oder andere Zipperlein von Zino ließ uns doch manchmal nervös werden.

Jetzt wollen wir nur noch schnell die Wäsche waschen und die To-do’s hinter uns lassen. Von wegen! Der einzige Trockner vor Ort trocknet nicht, wir haben einen Haufen nasser Wäsche und die Sonne neigt sich schon gen Horizont. Keine guten Voraussetzungen…
Wir suchen uns für die Nacht einen neuen Schlafplatz und finden ihn schließlich in Burgau. Die Wäsche hängen wir vorerst ins Cockpit. Burgau gefällt uns sehr mit seinen kleinen Straßen und Häusern, mit den verwinkelten Gassen und dem Blick über das Meer. Nach einer abenteuerlichen Fahrt bergab durch das eng bebaute Städtchen zum unteren Strandparkplatz, sind wir angekommen. Jetzt wissen wir, warum für Womos und Gespanne die Durchfahrt verboten ist: an einigen Balkonen fehlt die ein oder andere Ecke.
Beim Einparken kommt ein junges Pärchen an uns vorbei und lächelt uns über unsere hängenden Socken an. Oder den Bulli? Das wissen wir nie so recht. Diesmal war es das Nummernschild. Die Beiden kommen aus der Uckermark und schnell wird klar: über ein paar Ecken haben wir auch schon voneinander gehört. Die Welt ist klein und noch kleiner die Uckermark!
Es wird schnell dunkel und wir wollen was essen gehen. Leider sagt uns nichts richtig zu und die sehr gut aussehende Pizzeria erwacht erst in ein paar Tagen aus dem Winterschlaf. Wir nehmen uns vor, ein andermal wieder hierher zu kommen und verziehen uns zur Nacht in den Bulli.

Da uns die nassen Klamotten doch sehr stören, packen wir sie feucht wieder ein und beschließen am nächsten Tag zum Wäschetrocknen nach Luz zu fahren. Dort ist es wunderbar sonnig und windig, also ideal um Seelen und Socken baumeln zu lassen. Unser Platz hat direkten Ozeanblick über einer schöne Küste.

Zum Abend hin fahren wir nochmal zurück nach Lagos. Wir müssen Einkaufen und der Stadtbummel steht auch noch an. Als wir an dem uns schon bekannten Stellplatz ankommen, sehen wir mehrere VW-Busse zur Nacht bereit. Ein hübscher Anblick!

Wir treffen zufällig auf Susanne, die sich hier mit Lena, ihrer jungen Reisebekanntschaft verabredet hat. Es ist ein herzliches Wiedersehen. Am nächsten Tag erkunden wir Lagos und kaufen in einem Second-Hand-Laden ein paar Klamotten, eine Sonnenbrille und finden sogar einen deutschen Krimi und zwei Weingläser als Ersatz für die leider inzwischen kaputt gegangenen alten von Pias Oma. Lagos hat eine schöne Altstadt, wir lassen uns treiben und entdecken einiges an Strassenkunst an den Wänden.

Es ist mal wieder an der Zeit: unsere Geräte brauchen einen Backup und benötigen dazu a) sehr gutes W-Lan und b) Strom aus der Dose. Da das beides bei uns Mangelware ist, entscheiden wir uns auf den Camping Municipal in Lagos zu gehen. Dort stellen wir mit Schrecken fest, dass hier Menschen anscheinend dauerhaft leben. Und nicht im trockenen, beheizbaren Wohnwagen, sondern in Zelten und unter Planen. Hier ist die Armut sehr sichtbar und wir sind bestürzt. Was für einen Luxus wir doch haben, dass wir freiwillig ein minimalistisches Leben leben können!

Am nächsten Tag verabreden wir uns mit Lena an der Ponta de Piedade. Ein Touri-Hotspot und ein wirklich sehr schöner Flecken Erde, wo ich mich winzig klein fühle zwischen all den gewaltigen Fels- und Wassermassen.

Wir fahren nochmal nach Burgau und gehen in dem frisch erwachten Restaurant essen. Zino darf sogar mit rein, was eine Seltenheit in Portugal ist. Wir genießen die leckeren Pizzen und den Wein und stoßen auf 3 Jahre und 11 Monate gemeinsame Lebenszeit an!

Salema ist wie Burgau ein kleines, schönes Fischerdorf mit einem Parkplatz, wo wir uns sehr wohl fühlen. Das liegt zum Einen an den wohlriechenden Eukalytusbäumen rundherum, zum Anderen an den vielen Vögeln, die dort leben. Hier verbringen wir zwei Nächte und interviewen Lena (portrait 4: lena).

Ein paar Tage und Strände weiter finden wir einen Spot zum Übernachten mit traumhafter Aussicht auf den Ingrina-Strand und die Küste. Hier kommen wir mal wieder dazu eine kleine Wanderung zu machen. Alles blüht, sprießt und duftet. Dazu mehr in Füsse küssen Küste.

Ende Februar fahren wir durch Sagres, um an das berühmte südwestlichste Ende von Europa zu kommen: das Capo de São Vincente. Nicht nur, dass das ein Must-Be für jede*n Algarvereisende*n ist, hier bekommt man auch „die letzte Bratwurscht vor Amerika“. Für mich mal wieder ein Grund eine Ausnahme von meiner meist vegetarischen Kost zu machen und den Geschmack von Freiheit und Meer gepaart mir einer echten Thüringer Bratwurst zu genießen.
Was uns gleich bei der Ankunft ins Auge sticht, ist der Imbiss, der am Straßenrand plaziert ist: Hunger! Aber leider: Imbiss geschlossen…

Keine Bratwurst! Keine Pommes! Diese Enttäuschung müssen wir erstmal verdauen und parken unseren Bulli an den Klippen vom Kap.
Zwar kein Mittagessen, dafür aber ein Wahnsinns-Ausblick aufs Meer und den Leuchtturm. Der Wind pfeift, die Wellen unter uns rauschen und grollen. Es ist ein Naturerlebnis, das uns beiden sehr gefällt. Wir machen viele Fotos und setzen uns nah dem Klippenrand, von wo aus wir sicher in den Abgrund blicken können.
Dieser Ort ist was Besonderes. Allein das Licht und das Farbenspiel machen mir den Verlust der Wurst erträglich 😉

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