ausgebr├╝tet ­čÉú

Hier geht es um ein paar Fragen, zwei Jubil├Ąen und drei Gr├╝nde zu feiern: wir sind 4 Jahre zusammen, 1/2 Jahr im Bulli unterwegs, und: wir haben beschlossen, unser Nomadenleben auch nach dem kommenden Sommer weiterzuf├╝hren!
Um uns das zu erm├Âglichen, haben wir in den letzten Wochen einen Plan ausgebr├╝tet. Mehr dazu am Ende dieses Beitrags. Zuvor beantworten wir auf mehrfachen Wunsch einige der Fragen, die wir in den nomadenportraits ├╝blicherweise anderen Reisenden stellen:

was wir am „nomadentum“ lieben und worauf wir getrost verzichten k├Ânnten:

Das Sch├Âne am Unterwegssein ist f├╝r uns Viel-Umzieherinnen, dass wir unser Zuhause jetzt unter’m Hintern haben und nicht st├Ąndig einen kompletten Umzug stemmen m├╝ssen, um unser Nomadengen auszuleben. Es bringt einfach Spass, wieder losfahren zu k├Ânnen, wenn uns der Sinn danach steht. Dieser Moment des Aufbruchs ist total belebend! Und wir haben alles in Reichweite, was wir brauchen: Bett, K├╝che, Bad und die Familie – wunderbar!
Das Tolle am Westfalia-Ausbau im Bulli ist: er ist multifunktional! Alles ist bis ins Detail durchdacht und auch nach fast 40 Jahren noch einfach genial. Das Nervige ist: er ist multifunktional! Wir verbringen irrsinnig viel
Zeit mit dem Ein- und Ausklappen von B├Ąnken und Betten, dem Hin- und Her-R├Ąumen von Sachen, z.B. um den Tisch ausschwenken zu k├Ânnen und an die Schr├Ąnke heran zu kommen… Wir verbringen viel Zeit in geb├╝ckter Haltung und damit, uns aneinander vorbeizudr├╝cken… Zwar bietet der Bulli Stehh├Âhe, aber auf sehr begrenztem Raum, da ist der Hexenschuss nicht weit. Darauf k├Ânnten wir wirklich gerne verzichten!
Pia: „Gleichzeitig macht das Bullileben gelenkig – wie schnell wir inzwischen oben im Hochbett und wieder runter sind – das war am Anfang noch eine Herausforderung.“
Ilka: „Was ich manchmal schwierig finde, ist, dass der Bulli so eine zarte H├╝lle ist und manche Menschen diese Raumgrenze nicht wahren. Viele glotzen und dieses Beglotztwerden nervt. Das ist so, als ob jemand, den du garnicht kennst, mitten in deinem Schlafzimmer steht oder in deinen K├╝hlschrank guckt.“

Wenn wir dar├╝ber nachdenken, was wir
an unserem Fahrzeug gerne ver├Ąndern w├╝rden, schwanken wir immer wieder zwischen zwei Optionen: den Bulli behalten und uns weiter minimalisieren – oder uns vergr├Â├čern und ein anderes Womo anschaffen. Etwas mehr Raum w├Ąre so sch├Ân! Falls jemand einen Bulli in eine Hymer-Hummel verzaubern kann – bitte melden!


Mit einem gr├Â├čeren Gef├Ąhrt w├Ąren allerdings einige Strecken und Stellpl├Ątze nicht mehr machbar, die jetzt mit dem Bulli in PKW-Abma├čen f├╝r uns zug├Ąnglich sind.
Keine leichte Entscheidung, wir werden sehen…

Eine Kehrseite des Unterwegsseins ist es auch, dass Alltagsdinge soviel mehr Zeit und Energie kosten als in einer festen Bleibe. Wir m├╝ssen uns immer wieder neu orientieren: Wo k├Ânnen wir einkaufen? Wo kriegen wir Wasser her? Wo k├Ânnen wir Gas auff├╝llen? Wo W├Ąsche waschen? Undundund...

Toll ist, dass wir mit Zino nicht erst ein paar Stra├čenz├╝ge gehen m├╝ssen, um ihn von der Leine lassen zu k├Ânnen. ├ťberhaupt das Gleich-drau├čen-sein – besonders am Morgen und besonders mit der Bulli-Schiebet├╝r – dass wir der Natur so nah sind, ist einfach begl├╝ckend!

was sich f├╝r uns ver├Ąndert hat, seit wir unterwegs sind:

Am Anfang wollten wir schnell in den S├╝den, haben uns beeilt dem schlechten Wetter davonzufahren. Aber es war nicht nur das, sondern auch eine Art Getriebensein. Ilka: „Inzwischen komme ich mehr im Moment an, es gibt viel mehr Raum f├╝r meine Bed├╝rfnisse – auch wenn das noch besser werden kann. Ich hab Zeit, mich mehr um mich und meine Gesundheit zu k├╝mmern: ├ťbungen f├╝r den R├╝cken, Fasten… Komme langsam davon runter, dass ich st├Ąndig was machen und in Aktion sein mu├č.“
Pia: „Ich hab meinen Sammlertrieb aufgeben k├Ânnen: fr├╝her hatte es f├╝r mich fast schon Suchtcharakter, Dinge anzuschaffen und anzuh├Ąufen. Dass wir im Bulli gar keinen Platz haben f├╝r viel Zeugs, war ein Ausl├Âser daf├╝r, inzwischen ist es ein Selbstg├Ąnger, weniger zu konsumieren. Auch weil mir bewu├čt ist: jedes Teil, das ich nicht kaufe, schont die Reisekasse und verl├Ąngert damit den Zeitraum, den wir unterwegs sein k├Ânnen.“

Im Laufe der Zeit haben wir so einiges ausgemistet, zur├╝ckgeschickt, verschenkt oder weggeworfen, wie z.B. einen Wecker, ausgelesene B├╝cher,
mehrere unn├Âtige oder zerschlissene Klamotten, ├╝berz├Ąhliges Geschirr und Besteck… Der Preis f├╝r den ├╝berfl├╝ssigsten Gegenstand, den wir dabei haben, geht an: Ilkas Gummistiefel. Und auch den Sonnenschirm (ein sperriges, langes Ding!), haben wir erst ein einziges Mal in Gebrauch gehabt, unten rechts im Bild:


Was noch? Wir werden beide gelassener, wenn was mit dem Bulli ist oder wir uns festfahren, wie k├╝rzlich (Kamikaze*). Inzwischen haben wir die Erfahrung und das Vertrauen, dass es immer irgendwie weiter geht.

zu unserem reisetempo / reiserhythmus:

Ein Teil der Antwort findet sich in der letzten Frage: wir sind langsamer geworden.
Inzwischen versuchen wir mindestens 2 N├Ąchte an einem Ort zu bleiben, weil wir gemerkt haben, dass uns das gut tut und es sonst auf Dauer anstrengend wird. Das gelingt uns nicht immer, da wir manchmal zuviele Hummeln im Po haben oder der Stellplatz doch nicht so super ist, es zu windig wird oder wir dann pl├Âtzlich Wasser brauchen oder uns der Kaffee ausgegangen ist, oder oder oder…
Au├čerdem versuchen wir seit einiger Zeit einen Ruhetag pro Woche einzulegen, gerne zum Beispiel einen Sonntag im Bett.

zur frage, ob das leben unterwegs f├╝r uns auf dauer angelegt ist oder als ├╝bergangsstadium zu einem bestimmten zweck dient:

Wir sind ja auch so ein bi├čchen mit der Frage gestartet, wie wir perspektivisch leben wollen. Wir hatten die Idee, vielleicht Gemeinschaften kennenzulernen, Inspiration zu sammeln, wie Andere leben und arbeiten, eventuell irgendwo mitzuarbeiten oder ├ähnliches. Von dieser Suche sind wir gerade vollkommen weg, das Unterwegssein an sich steht derzeit im Vordergrund.
Anfangs gingen wir au├čerdem davon aus, dass wir uns mehr f├╝r Menschen, Kulturen und Landschaften der bereisten L├Ąnder interessieren. Inzwischen merken wir, dass wir kaum mehr neugierig sind
. Wir genie├čen vor allem die Natur, ansonsten haben wir das Gef├╝hl, dass wir das Unterwegssein und Abgekoppeltsein von allem brauchen f├╝r unsere inneren Prozesse. Diese Reise ist wohl mehr eine Reise zu uns selbst.

was bei uns als n├Ąchstes ansteht / wo es uns hinzieht:

Das K├╝ken des Monats ist, wie eingangs schon erw├Ąhnt, unsere Entscheidung, unser „Nomadenleben“ ├╝ber diesen Sommer hinaus weiter zu f├╝hren. An der Westk├╝ste der Algarve war dieser Plan endg├╝ltig ausgebr├╝tet und wurde freudig gefeiert.

Unsere Reisekasse h├Ąlt bis Mitte Sommer, das war von Beginn an so kalkuliert. Tats├Ąchlich haben sich unsere monatlichen Ausgaben immer weiter verringert, so dass wir sogar noch 1-2 Monate l├Ąnger reisen k├Ânnten als gedacht. Aber auch das reicht uns nicht. In den letzten Wochen ist uns klar geworden: wir wollen mehr!

Zu Beginn unserer Tour hatten wir mit dem Gedanken gespielt,
den Sommer 2019 in Skandinavien zu verbringen – vorausgesetzt, wir k├Ânnten die Reisekasse per work & travel oder wwoofing strecken. Unterwegs hat sich aber herauskristallisiert, dass es uns wichtiger ist, diesen ersten Reisewinter komplett frei zu sein. Daher steht nun an: Reisekasse aufpeppen!
Das werden wir von Juni bis September in der vertrauten Uckermark tun, beide in dem kleinen, vegetarischen Restaurant, in dem Ilka schon im letzten Sommer angestellt war. Allerdings werden wir dort nur am Wochenende arbeiten, so dass wir unter der Woche Zeit haben, gemeinsam im Bulli die wundersch├Âne Uckermark mit ihren vielen Seen (fast wie Schweden!) zu erkunden. Denn das kam im letzten Supersommer ein bi├čchen zu kurz: Ilka war vorwiegend am Arbeiten und ich im k├╝hlen Keller bei der Haushaltsaufl├Âsung. Mit dieser Wochenend-Jobl├Âsung werden wir keine Unsummen ansparen k├Ânnen, aber f├╝r ein paar weitere Monate wird es reichen. Die n├Ąchste Reisesaison im Herbst/Winter wird dann vermutlich mehr work & travel beinhalten. Und f├╝r den April/Mai danach (2020!) lieb├Ąugeln wir mit Irland – aber das ist nun wirklich Zukunftsmusik. Leben ist ja bekanntlich das, was passiert, w├Ąhrend wir eifrig dabei sind, Pl├Ąne zu schmieden…

Ziemlich sicher ist, dass wir in den n├Ąchsten Tagen Portugal hinter uns lassen, recht z├╝gig durch Spanien fahren und uns dann sch├Ân langsam durch die Pyren├Ąen bewegen – in Richtung Sommer im Norden.

4 Kommentare zu „ausgebr├╝tet ­čÉú

  1. Ich kann meine Freude dar├╝ber, das ihr beiden zur├╝ck in die Uckermark kommt nicht verbergen. Ich freue mich ganz doll auf euch und….. unsere G├Ąste auch. Die erste Zeit, wirst du Ilka, sicher mit Fragen von Ihnen ├╝bersch├╝ttet werden :). Ich lese euren Blog und es ist sch├Ân, so ein St├╝ck mit euch zu reisen. Ich w├╝nsche euch weiter eine sch├Âne Zeit und ich schaue mich nach einem Stellplatz f├╝r euch um. Auch in diesem Fall wird sich sicher etwas gutes ergeben. Alles liebe aus der Im Fr├╝hling erwachenden Uckermark, Angelika

    1. Hallo Angelika,
      wir verlassen mit einem weinenden Auge Portugal und freuen uns auf einen Sommer in der Uckermark. Liebe Gr├╝├če an alle, Ilka

      1. Liebe Ilka, liebe Pia, ein letztes aufb├Ąumen des Winters, hin und wieder rieseln Schneeflocken aber wenn ihr herkommt scheint die Sonne und es ist sch├Ân warm. Ich kann verstehen, dass es schwer f├Ąllt das sch├Âne Land zu verlassen aber mit der Aussicht, das es nach dem Sommer wieder neue L├Ąnder und Entdeckungen gibt ist es hoffentlich gut zu ertragen. Die Uckermark warten mit ihren sanften H├╝geln und unendlichen Seen auf euch. Bis dahin weiterhin gute Reise, entspanntes ankommen. Alles liebe Angelika

      2. Liebe Angelika, je n├Ąher wir kommen, um so mehr freuen wir uns auf die Uckermark, die Else, auf liebe Menschen und den Sommer in Deutschland! Sonnige Gr├╝├če aus den Cevennen, P&I

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