Zartbitter – ein satirischer Camperblick

Wir wohnen Vollzeit im Wohnmobil, also sind wir Camperinnen, oder nicht!? Wenn wir uns unterwegs so umgucken, ahnen wir, dass sich so ein Camper*innenleben im Urlaubsmodus doch sehr von unserem Dauercamperinnenleben unterscheidet. Was uns alle vereint: wir sind mobil unterwegs! Das war’s dann auch schon.

Egal, ob zu Fuss, mit dem Rad, dem Motorrad, im Zelt, im selbstausgebauten Van, im Off-Road-Cruiser oder im Wohnmobil der Extraklasse: wenn Menschen Urlaub machen, ticken sie einfach anders als wir. Oder andersrum? Auf jeden Fall zeichnen sich nach einer gewissen Zeit bestimmte ‚Gattungen‘ von Kurzzeit-Campern ab, die ich hier mal sch├Ân in Schubladen stecken m├Âchte. Anbei sei gesagt, das diese Eindr├╝cke in der freien Wildbahn gewonnen wurden und nicht auf ausgeschriebenen Camping- oder Wohnmobilstellpl├Ątzen, wo es feste Regeln gibt.

Die Kuschelbed├╝rftigen:

Du bist allein auf weiter Flur und genie├čt die Aussicht, hast dir ein richtig nettes Pl├Ątzchen ergattert, alle Nachbarn sind weit genug weg, liegst in der H├Ąngematte und h├Ârst den V├Âgeln zu. Da kommt ein Urlauber und stellt sein Vehikel direkt neben deines. Du kannst es nicht richtig glauben und denkst, du hast was verpasst. Zum Beispiel die 100 anderen Fahrzeuge, die den ganzen Platz belegen und nur noch dieser kleine Flecken Erde direkt neben dir ist frei. Du schaust dich um. Rechts und links ist alles frei… bis auf die, die dir jetzt den Blick versperren. Diese Menschen sind immer auf Kuschelkurs. Wenn du sie bitten w├╝rdest, doch ein bi├čchen Abstand zu wahren, weil es sowas wie Einsamkeit, Ausblick und ’ne Menge anderer sch├Âner Stellpl├Ątze gibt, w├╝rden sie dich erschrocken angucken und nicht begreifen, was sie dir angetan haben.

Die Platzhirsche:

An manchen Pl├Ątzen ist es nicht so einsam, wie du es dir w├╝nschen magst, dann r├╝cken alle ein bi├čchen zusammen und bem├╝hen sich um Diskretion. Nicht so die Platzhirsche… Diese Menschen haben ein Recht da zu stehen, wo sie stehen, und weil sie jetzt schon mal Urlaub haben, ein Recht auf alles, was f├╝r SIE Erholung bedeutet. Also: St├╝hle und Tische raus, gleich danach den Grill, das Radio spielt lautstark die Lieblingsst├╝cke und die W├Ąscheleine markiert das Revier. Wenn du diese Menschen bitten w├╝rdest, das Radio etwas leiser zu stellen oder den Grill doch etwas aus dem Wind zu drehen, da der Rauch dir ein Draussensein verunm├Âglicht, w├╝rdest du einen strafenden Blick ernten und zu h├Âren bekommen, dass hier wohl jeder Mensch das Recht hat auf das, wozu er gerade Lust hat. Schlie├člich ist Urlaubszeit!

Die Besserwisser:

Diesen Menschen brauchst du um nichts zu bitten und schon gar nichts zu fragen, denn: er kommt von ganz allein! Brauchst du Hilfe oder Rat? Nein? Er hilft dir trotzdem gerne und auf Kosten deiner Nerven und hat auch noch den passenden Rat f├╝r dich, den du dir selber schon gegeben und deshalb nicht drum gebeten hast. Brauchst du nicht doch einen kleinen Tip? Den ultimativen Stellplatz, den nur er kennt? Nein? Er schreibt ihn dir gerne auf! Wenn du diesen Menschen darauf hinweisen w├╝rdest, dass du kein Interesse an seinem Wissen hast, w├╝rde er beleidigt von dannen ziehen.

Die Angsthasen:

Dieser Mensch hebt sich hervor, indem er fast nie in Erscheinung tritt. Manchmal erhascht du einen Blick auf seine Silhouette, sonst bleibt er so gut wie unsichtbar. Leider gibt es mangels Kontakt keine weiteren Erkenntnisse.

Die Gro├čstadtpflanzen:

Diese Menschen h├Ârst du, bevor du sie siehst. Die Gr├Â├čst├Ądter m├Âgen es laut und hektisch. Ruhe und Einsamkeit sind ihnen fremd. W├╝rdest du sie bitten, etwas leiser zu sein, w├╝rden sie es vor lauter Krach nicht verstehen.

Die Showmaster:

Du siehst sie, du h├Ârst sie und du riechst sie. Der Stellplatz ist ihre B├╝hne, du das Publikum. Alles wird so gerichtet, dass du in der ersten Reihe sitzt. Wenn du sie darauf ansprechen w├╝rdest, dass du jedes Wort verstehst, so w├╝rden diese Menschen erst richtig in Schwung kommen.

Die Familienbande:

Den Klan erkennst du leicht am schaukelndem Fahrzeug, indem die ganze Bande zu hipper Kindermusik mitsingt und -hopst. Dazu kommt mindestens ein Hund, eine Markise und der Rollrasen, damit sich die kleinen Racker nicht schmutzig machen. Die Familienmenschen erkl├Ąren das Gel├Ąnde zum Spielplatz und sind entsetzt, wenn du ihre Kleinen nicht mindestens so s├╝├č finden w├╝rdest wie sie.

Die Rennm├Ąuse:

Wenn dich fr├╝h morgens eine zugeschlagende T├╝r aus dem Schlaf rei├čt oder du von einem Keuchen aus deinen Tr├Ąumen in die Wirklichkeit katapultiert wirst, hast du es hiermit zu tun: der gemeinen Rennmaus. Sie ist die Erste, die die Morgenluft atmet und die Letzte, die ihre Joggingrunde beendet. Es ist ihre Atmung, die du durch deine zarten W├Ąnde h├Ârst und ihre schnellen Schritte auf dem Schotter. Wenn du das M├Ąuschen auf die Ruhest├Ârung ansprechen w├╝rdest, bek├Ąmst du einen absch├Ątzenden Blick und einen Trainingsplan in die Hand gedr├╝ckt.

Die Hippies:

Wo du hinsiehst: Hunde! Hippies spielen den ganzen Tag Ukulele und ├╝ben sich im Hullahoop. Sie zelebrieren die Freiheit mit Feuer, Dope und Bier und du bist jederzeit herzlich willkommen, wenn du a) auch ’ne Rostbeule f├Ąhrst oder b) Rasta tr├Ągst.

Habt Ihr Euch bei den verschiedenen Typen das ein oder andere Mal erkannt? Keine Sorge, wir uns auch! Nach diesem kleinen Einblick nun aber zur├╝ck zu der Frage, was den Unterschied ausmacht zwischen Camper*Innen auf Urlaub oder in Vollzeit, wie wir…

Ôść wir machen nicht jeden Abend Lagerfeuer oder packen den Grill aus.

Ôść wir klappern nicht alle Hotspots einer Gegend ab, inzwischen meiden wir sie regelrecht.

Ôść wir glotzen nicht vehement in andere Fahrzeuge und wenn, dann gr├╝├čen wir wenigstens freundlich!

Ôść wir haben keinen Fernseher

Ôść wir gehen so gut wie garnicht essen

Ôść wir sitzen auch gerne gem├╝tlich drinnen (auch, wenn die Sonne scheint)

Ôść wir stehen nicht um 7Uhr30 auf, damit der Tag f├╝r alle Aktivit├Ąten reicht

Ôść wir stehen frei und am liebsten allein

Ôść wir brauchen nicht jeden Tag ’ne Dusche

Ôść wir leben minimalistisch

Mehr und andere Dinge erfahrt ihr z.B. unter bullileben oder in anderen nicht ganz so ernst gemeinten Blogbetr├Ągen…

2 Kommentare zu „Zartbitter – ein satirischer Camperblick

  1. Hallo Ihr Zwei hier meldet sich Papa-lena mal wieder ( Ihr erinnert Euch ? )
    Ich bin nun wahrlich kein Camper und auch kein Dauer- Bulli- Leber wie Ihr und meineTochter obwohl ich Euch manchmal sehr Beneide aber diese Typen findest Du leider im richtigen Leben genau so wie auf dem Camping- Platz
    Ich w├╝nsche Euch auf jeden Fall
    Immer das ideale Pl├Ątzchen f├╝r Euch Sch├Ân das Ihr Euch entschieden habt Eure Reise fortzusetzen so bin ich guter Hoffnung immer mal wieder was von Euch zu h├Âren
    W├╝nsch Euch mindesten immer einen 1/4 vollen Tank und da├č Eure Reise erfolgreich weiter geht So long Easy Rider
    Gru├č Joachim

    1. Klar, wir erinnern wir uns, Joachim. Stimmt, IlkaÔÇÖs Camper-Typologie l├Ą├čt sich wohl aufÔÇÖs ganze Leben ├╝bertragen ­čśë Danke f├╝r die guten W├╝nsche und liebe Gr├╝├če, P&I

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